Entworfen von Virginie Jamin · Erstausgabe 2015
Shawls and Scarves 140 · 2 Farbvarianten
Emile Hermès war durch und durch ein Sammler. Bereits im Alter von zwölf Jahren erhob er die zweckmäßigen und historischen Eigenschaften von Objekten in denselben Rang wie ihre Schönheit, als er begann, eine Sammlung aufzubauen, deren gemeinsamer Nenner das Pferd war – Dinge rund um das Reiten, Dinge rund um das Reisen und so weiter. Im Laufe der Jahre wurde die Sammlung im Museum und im Ornamentenschrank zum Sinnbild jener Fertigkeiten, jenes Einfallsreichtums, jener Erfindungsgabe und jener Weite des Blicks, die das Fundament jeder kreativen Arbeit bilden. Nicht weniger schön als wesentlich, greifen die Steigbügel von den vier Ecken des Carrés aus wie die vier Himmelsrichtungen aus und begegnen einander in einem seltsam freudigen Ballett, widerhallend vom Klingen des Metalls, dem Murmeln des Leders und dem dumpfen Schlag des Holzes. Einer von ihnen, im 20. Jahrhundert in Mexiko gefertigt, mit einem Monogramm und einem Lederfutter, steigt von der linken Ecke zur Mitte auf. Direkt darüber befindet sich ein Motiv aus farbigen Blumen, ein chinesisches Email aus dem vorangegangenen Jahrhundert, ebenso wie rechts davon der brasilianische Steigbügel für eine Feuerpfanne in feiner Durchbrucharbeit. Ganz oben in der Ecke befindet sich eine Öse, mit Drachenköpfen verziert, ein tibetisches Artefakt aus dem frühen 19. Jahrhundert. Und auf der gegenüberliegenden Seite zeigt sich ein markanter Kontrast zwischen der schönen Schlichtheit einer afrikanischen Arbeit dieses Jahrhunderts aus Bronze, in zwei Dreiecke geschnitten, und einer brasilianischen Arbeit des vergangenen Jahrhunderts mit floralen Ranken, die einen fünfzackigen Stern umschließen. Ob in Frankreich, Argentinien, China oder Peru gefertigt, ob aus Silber und Horn, Bronze, Eisen oder Messing, jeder dieser Steigbügel trägt eine Erzählung in sich, die uns dieses Carré vermittelt.